Pfarrer Jaroslaw Duda: Eine lebensbejahende Botschaft

Die Auferstehung Jesu lässt sich nicht «äusserlich» mit dem Kopf begreifen und daher im Sinne heutiger Wissenschaft auch nicht beweisen. Man kann sie nur «innerlich» mit dem Herzen glauben und sie deshalb auch nur in Bildern und Symbolen mitteilen. Vielleicht sind deshalb die mit ihrem Herzen verstehenden Frauen und nicht die «verkopften» Männer die ersten Zeugen der Auferstehung Jesu.
Ein altes Symbol für die Auferstehung ist die Sonne. Jeden Abend scheint sie blutrot am westlichen Himmel zu sterben und in das Grab der Nacht zu sinken. Mit ihr scheint das Leben selbst unterzugehen. Doch immer wieder geht sie am neuen Morgen auf. Das Bild der Sonne gibt Menschen Hoffnung, dass auch für sie jede Nacht des Lebens einem neuen Morgen weichen wird.
Alle Wege, die zu Gräbern führen, sind Wege in die Traurigkeit und die Dunkelheit. Den Frauen aber, die sich am Ostermorgen auf den Weg zum Grab Jesu machten, ging «der wahre Morgenstern» auf, «der in Ewigkeit nicht untergeht». Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unser Glaube sinnlos, so sagt Paulus im 1. Korintherbrief 15 . Und so ist es wohl auch, denn die Auferstehung Jesu ist der Angelpunkt unseres Glaubens. Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann haben jene letzten Worte in der Bibel, «Komm, Herr Jesus!», keinen Sinn, dann gibt es keinen Gott, den wir Vater nennen dürfen, dann antwortet auf unsere Gebete nur der Abgrund des Nichts, dann gibt dem Leiden niemand einen letzten (nicht vollziehbaren) Sinn, dann sind wir einfach ein biologischer Faktor.
Aber da ist das Wort Jesu. Und er begründet die Auferstehung so: «Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten.» Wenn wir also sagen: Gott Abrahams, dann lebt Abraham. Wenn wir sagen: Der Vater unseres Herrn Jesus Christus, dann lebt Jesus Christus. Und wenn ich sage: Der Gott meiner Grossmutter, dann lebt meine Grossmutter.
Wir feiern in unserer Bülacher katholischen Kirche diese Auferstehung in der Osternacht. Die Feier der Osternacht stellt im Jahresablauf der kirchlichen Feste den Höhepunkt jeglicher Erinnerung dar. Eine Fülle von Zeichen und Symbolen will uns die Auferstehung Jesu und darin das Geheimnis unserer Erlösung erschliessen. Wir halten diese Feier in der Nacht, denn in der Nacht ist Christus hinübergegangen ins Leben. Wir segnen das Feuer, es ist Bild des Lebenden, der aus dem Grabe erstand. Wir entzünden die Osterkerze, sie ist das bleibende Zeichen des Auferstandenen in unserer Mitte. Wir geben ihr Licht weiter, von einer zum andern als Zeichen, dass wir von seinem Licht angesteckt werden wollen.
Diese Feier mit ihren Zeichen und Bildern kann uns helfen, uns an das Geheimnis der Auferstehung heranzutasten. Ich wünsche uns allen, dass wir es versuchen und dabei vielleicht etwas entdecken, das uns hilft, an diese frohe, ermutigende und lebensbejahende Botschaft zu glauben.
Fühlen Sie sich auch manchmal wie im Grab? Wie viele Hoffnungen und Erwartungen an das Leben, wie viele Wünsche und Lebenspläne haben Sie schon zu Grabe tragen müssen? Das Osterfest will uns sagen: Keine Grabeserfahrung dauert ewig, weil der Gott des Lebens selber jedem Grab und jeder Grabeserfahrung ein Ende macht.
Ein gesegnetes Osterfest wünsche ich Ihnen.

* Jaroslaw Duda ist Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde Bülach.

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