Jugendliche sind keine Extremisten

Unter Zürcher Jugendlichen sind gewaltbereite extremistische Einstellungen eher schwach ausgeprägt. Jungen befürworten Gewalt mehr als Mädchen. Dies belegt eine Langzeitstudie von Forschern der Universitäten Zürich und Cambridge.

Die Resultate der kriminologischen Jugendforscher der Universitäten Zürich und Cambridge belegen: 4 Prozent der über 1300 Befragten befürworten gewaltbereiten Extremismus stark. Ihnen gegenüber stehen 56 Prozent der Jugendlichen, die extremistische Einstellungen mehrheitlich stark ablehnen und rund 40 Prozent im Mittelfeld, die gewaltbereite extremistische Einstellungen mehrheitlich ablehnen. Dabei zeigt sich ein grosser Unterschied in Bezug auf das Geschlecht: 16 Prozent der Jungen sind mindestens teilweise mit gewaltbereitem Extremismus einverstanden, gegenüber nur 5 Prozent der Mädchen.

Gewaltfantasien
Eine gewaltbereite extremistische Einstellung äussert sich insbesondere bei jungen Menschen, die Gewalt allgemein als gerechtfertigt betrachten, die wenig Respekt vor Rechtsstaatlichkeit haben, die aggressive Männlichkeitsbilder in sich tragen, die wenig selbstbeherrscht sind und zu Gewaltfantasien neigen. «Diese psychologischen Risikofaktoren sind genaue jene, die auch aggressive und delinquente Jugendliche auszeichnen», erklärt Denis Ribeaud, wissenschaftlicher Projektleiter am Jacobs Center for Productive Youth Developement der Universität Zürich. Wie die Forscher herausgefunden haben, tendieren die Befürworter von gewaltbereiten extremistischen Einstellungen selbst zu Gewalt und anderem Problemverhalten.

Sozial Benachteiligte
Darüber hinaus sind gewaltbereite extremistische Einstellungen unter Jugendlichen mit einem tiefen Bildungsabschluss und aus sozial benachteiligten Milieus etwas häufiger verbreitet. Ebenso zeigen sich konfessionelle Unterschiede. Hinduistische, muslimische und christlich-orthodoxe Jugendliche befürworten extremistische Einstellungen durchschnittlich stärker als konfessionslose, protestantische und römisch-katholische Befragte.
Solche Einstellungen sind auch mit Erziehungsaspekten verknüpft. Jugendliche von Eltern, die sich wenig interessieren, neigen eher dazu. (pd. / Symbolfoto: mai.)

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